1988 - 2000 GL 1500/6

INTERSTATE / ASPENCADE / SE

1988 wurde eine neue Ära in Sachen GOLD WING eingeläutet. Diese Ära sollte 12 Jahre dauern. Da in dieser Zeit bis auf geringfügige Änderungen nur ein Bruchteil dessen passierte, was in den vorangegangenen 13 Jahren passierte, wollen wir die komplette Baureihe GL 1500/6 mit diesem Bericht abhandeln.

Zunächst mußte man sich von bislang gewohnten Dingen verabschieden. Vorbei die Zeit des bislang gewohnten 4-Zylinder-Motors, vorbei die Zeit des bislang gewohnten GOLD WING-Schriftzuges, vorbei die Zeit der Digitalanzeige und (zunächst) der Benzin- einspritzung.

Die Geschichte der GL 1500 beginnt aber weit vor 1988. Wir erinnern uns - 1972 wurde ein 6-Zylinderaggregat mit Autokomponenten (Verteiler) entwickelt. Die Rede ist von der M1, ein Motorrad, das nie als GOL;D WING konzipiert wurde und wegen Nichterfüllung der geforderten Symbiose von Tourentauglichkeit und Sportlichkeit in den Schubladen zu verstauben drohte, denn mit der Sportlichkeit haperte es doch sehr. Kurzerhand wurden 2 Zylinder kupiert und es entstand erst damit die GOLD WING, wie wir sie heute kennen.

Die M1 existiert aber noch. Um zu testen, wie sich ein 6 Zylinder in einer GOLD WING macht, wurde der Motor der M1 in den Rahmen einer GL 1200 LTD transplantiert. Diese LTD dürfte somit die eigentlich erste GOLD WING mit einem 6-Zylinder-Motor gewesen sein. Was sich daraus entwickelte, kennen wir heute als GL 1500/6. Jede neue GOLD WING-Baureihe stellte die Vorläuferbaureihe in den Schatten. Dazwischen lagen Welten. Seit 1981 waren deutsche Kunden eh erheblich benachteiligt, verweigerte man ihnen doch unentbehrliche Dinge wie eine hohe Verkleidungsscheibe, festinstallierte Koffer (erst ab 1984 auch in Deutschland serienmäßig) und das begehrte Topcase (erst ab 1998 in US- Größe serienmäßig).

Auf letzteres mußten deutsche Kunden, die bei einem offiziellen HONDA-Händler orderten bis zur GL 1500 verzichten und was HONDA Deutschland seinen Kunden mit der GL 1500 anbot, war ein Witz. Ein flacher Gepäckbehälter, kaum höher als die Sitzbank selber, der den Namen Topcase nicht verdient und recht schnell unter dem Namen "Pizzakoffer" zu zweifelhaftem Ruhm gelangte. In der Tat reichte die Höhe gerade mal aus, um 3-4 Pizzas im Karton auszuliefern.

Da HONDA-Deutschland zunächst zugesagt hatte, das Original-Topcase optional mitzuliefern, waren die deutschen Kunden zunächst zufrieden. Als man von dieser Option

allerdings ersatzlos abrückte, wurden zahlreiche Kaufverträge storniert. Die Käufer besorgten sich ihr Traummotorrad auf dem grauen Markt.

Zur näheren Betrachtung wollen wir uns aber der US-Ausführung zuwenden. Insgesamt macht die GL 1500 im Vergleich zur GL 1200 einen bulligeren Eindruck, ohne dabei an Eleganz einzubüßen. Größere, hohlgegossene Felgen mit schmaleren Reifen sowie ein völlig neuer Rahmen sollten das Handling verbessern. Schutzblech, Verkleidung, Koffer, Topcase - alles wirkte wie aus einem Guß. Dem Betrachter war schnell klar, daß dieses Motorrad schneller gewaschen ist, als beispielsweise. eine GL 1200 mit ihren Winkeln und Kanten. Mit ein wenig Phantasie konnte man sich diverse von der GL 1200 gewohnte Accessoires wie Lichterleiste, Topcase-Gepäckträger oder Windabweiser an der GL 1500 vorstellen und recht schnell lieferte der Markt auch das entsprechende Zubehör. Keine Frage, das Zubehör war reichhaltig und es war schon fast erschreckend, wie viele neue GL 1500 in der nach ihrem Debüt folgenden Saison auf den Treffenplätzen zu sehen waren.

Was an diesem Motorrad (zumindest für eine GOLD WING) völlig neu war, war der Rückwärtsgang und die Zentralverriegelung für die Gepäckbehälter. Rückwärtsgang für Motorräder gab es schon bei der Zündapp KS (Gespann). Und auch als Nachrüstung für die GL 1000 gab es sowas schon, wobei der 5. Gang durch einen Rückwärtsgang ersetzt wurde.

Bei der GL 1500 ging man aber ganz andere Wege. Der Rückwärtsgang wird über den Anlasser aktiviert. Dafür müssen aber vorher diverse Dinge berücksichtigt werden. Der Seitenständer muß eingeklappt sein, der Leerlauf muß eingelegt sein und es muß ein an der linken unteren Kante der Tankattrappe befindlicher Hebel umgelegt werden. Erst dann kann die Maschine durch Drücken des Anlasserknopfes rückwärts bewegt werden - mit 3 km/h.

Die Kofferdeckel öffnen sich seitlich und werden durch kurze Stahlseilchen offen gehalten. Vergeblich sucht man nach Kofferdeckelschlössern. Lediglich am Topcase befindet sich ein Schloß, mit welchem man alle Gepäckbehälter zentral verschließen kann. Ist die Zentralverriegelung entriegelt, so kann man über Hebel unter dem Topcase sowohl die Koffer als auch das Topcase öffnen. Für jeden Behälter gibt es einen Hebel. Wie schon der GL 1100 und GL 1200 her bekannt, gab es auch bei der GL 1500 serienmäßig Koffer- und Topcase-Taschen.

Beim Werkzeug hat man aber im Vergleich zur GL 1200 APENCADE am Werkzeug gespart. Wer clever war, der hat beim Verkauf seiner GL 1200 ASPENCADE wenigstens das Werkzeugset behalten, denn das liegt umfangmäßig und qualitativ weit über dem der GL 1500 und der meisten anderen Motorräder egal welchen Herstellers.

Der Motor - ein Traum. 6 Zylinder, 1520 ccm, 100 PS (die hierzulande aus versicherungstechnischen Gründen auf 98 PS gedrosselt wurden), 2 Fallstromvergaser, außenliegende Lichtmaschine mit 550 Watt (GL 1200 Fahrer mit Erfahrung mit Lichtmaschinenproblemen wußten das sicherlich zu schätzen)

Woran man sich gewöhnen mußte - simpelste Wartungsarbeiten wie Kerzen- oder Luftfilterwechsel uferten in Schrauberei aus. Dafür waren die Intervalle aber auch Gott sei Dank erfreulicherweise entsprechend lang.

Komplett neu auch das Cassetten-Radio, das sich nun auf der Tankattrappe befand. Die Cassetten werden seitlich (von links) eingeschoben. Über großdimensionierte Drucktasten

lassen sich Laufrichtung, Radioband (MW /UKW), Speicher, Memory steuern. Hierzulande mußte das Radio bzgl. der Frequenzsprünge umgerüstet werden. In den USA springen die Frequenzen immer um 0,2 ungerade weiter, in Deutschland dagegen sind Frequenzschritte im Bereich von 0,1 üblich (mitunter sogar im Bereich von 0,05). Der Eingriff ist aber relativ unproblematisch und mit etwas Übung in einigen Minuten erledigt. Der Ausbau des Radios nimmt dabei noch die meiste Zeit in Anspruch.

Auf die zumindest hierzulande beliebte Digitalanzeige mußte man künftig verzichten. Lediglich Uhrzeit, Cassettenlaufrichtung und Senderfrequenz werden Digital angezeigt. Ansonsten beherrschen Analoginstrumente das Cockpit. Käufer einer US-GL 1500 hatten mit einem weiteren Problem zu kämpfen. Die Skaleneinteilung erfolgte logischerweise in Meilen. Die waren auch noch relativ gut abzulesen. In kleinen blauen Ziffern waren darunter auf schwarzem Grund die Kilometerangaben ausgewiesen - kaum lesbar, erst recht während der Fahrt. Über kurz oder lang erfolgte das Umrechnen aber intuitiv. Ähnliche Probleme auch beim Dämpferdruck -. PSI statt ATÜ bzw. bar. Besitzer einer kanadischen GL 1500 kennen diese Probleme nicht - Kilometer- und bar-Anzeige - wie in Deutschland. Erfreulicher Nebeneffekt - eine reichhaltigere Austattung ab Werk.

A propos Dämpfer. Die vorderen Dämpfer konnten (zunächst) nicht mehr zusätzlich mit Luft befüllt werden und die hinteren bestanden aus einem reinen Spiraldämpfer (links) und einem Luftdruckdämpfer (rechts). Über ein Ventil im rechten Koffer konnten die Reifen mittels eines Schlauches befüllt bzw. deren Luftdruck reguliert werden. Grundsätzlich empfiehlt sich hierfür aber die Tankstelle.

Trotz erheblicher Gewichtszunahme läßt sich eine GL 1500 wie ein Fahrrad fahren - wenn sie erstmal rollt. Wer aber glaubt, daß eine GL 1500 nicht aus der Ruhe zu bringen ist, der irrt. Mit zunehmend abgefahrenen Reifen fängt auch eine GL 1500 an zu schaukeln. Man darf aber auch nicht außer acht lassen, daß eine GL 1500 als Fulldresser locker ihre 450 Kilo auf die Waage bringt. Dennoch ist die GL 1500 schnell, handlich und gutmütig.

Wie bei jeder Neuerscheinung gab es auch bei der GL 1500 Kinderkrankheiten. Zu nennen sind hier die Bremsscheiben und Bremsbeläge. Die GL 1500 der ersten Generation entwickelte einen beispiellosen Appetit auf Bremsbeläge. Diese sind nicht billig - pro Satz (3 gibt es) sind um die DM 80,- zu berappen. Auch beim Luftfilter vervielfachte sich der gewohnte Preis von ca. DM 30,- auf weit über 100,-. Wir reden hier von HONDA- Original-Ersatzteilen. Der Zubehörmarkt bietet selbstverständlich preiswertere Alternativen an, aber ... Ein weiteres Problem war das Zündschloß. Nicht bei allen Modellen, aber im Vergleich zu anderen Baureihen bei relativ vielen versagte es unvorhersehbar seinen Dienst. Auch die Bremsscheiben bzw. der Bremsklotzverschleiß war bei den ersten Modellen eine kostspielige Kinderkrankheit.

Preis: $ 9.998,-
Lackierungen: Phantom Gray, Martini Beige, Dynastic Blue

1989 nahm man lediglich kleine kosmetische Änderungen vor. Vereinzelt gab es Probleme technischer Natur, genauer gesagt ein Problem. Dieses Problem war allerdings gravierender, als die vorbeschriebenen. Wollte man unterhalb einer bestimmten Drehzahl oder aus dem Leerlauf raus beschleunigen, so "verschluckte" sich der Motor. Das war besonders beim Überholen oder beim Abbiegen gefährlich. Ausgehend davon, daß der Motor Gas annimmt legt man sich natürlich etwas zur Seite und versucht so die Kurve optimal zu nehmen. Peinlich nur, wenn dann unter einem nichts passiert. Man fällt schlicht weg um oder weiß plötzlich nicht mehr, wie man das Teil bändigen soll, wenn der Motor plötzlich unter einem losbrüllt, weil man das Gas ob der fehlenden Beschleunigung etwas

weiter aufgedreht hat. Das war es aber auch schon in Sachen Probleme, über die man bis zu diesem Zeitpunkt bei der GL 1500/6 berichten kann - Kinderkrankheiten halt. Diese Probleme bekam man in den nachfolgenden Jahren aber in den Griff.

Natürlich änderten sich mal wieder die Preise - von $ 9.998,- auf $ 11.498,-. Die Preissteigerung dürfte wohl der markanteste Unterschied zum Vorjahresmodell gewesen sein.
Lackierung: Martini Beige, Wineberry Red, Blue Green Matallic

1990 verstärkte HONDA die aktuelle GOLD WING-Baureihe mit der GL 1500/6 SE. Endlich wieder eine Luxus-GOLD WING. Die Extras waren zwar mehr Gimmiks, schlugen aber immerhin mit $ 2.000,- zu Buche. (GL 1500/6 - $ 11.498,- / GL 1500/6 SE - $ 13.498,-)

Die erste SE war weiß mit anthrazith abgesetzt und unterscheidet sich in einigen nicht unbedingt auf den ersten Blick erkennbaren Punkten.

Erstmals im Tourenmotorradbau wurde ein Motorrad mit Topcase-Spoiler vorgestellt. Dieser Spoiler hatte es aber in sich. In dem Spoiler verbirgt sich ein integriertes Rück- und Bremslicht. Da das Rücklicht genau auf Augenhöhe der Autofahrer angebracht ist, erschrecken diese fast, wenn der GOLD WING-Pilot bremst. Schaut man nämlich direkt in das Bremslicht, ist dieses heller, als alles bislang dagewesene. Neben dem Topcase- Spoiler fällt die verchromte Scheibenbledne ins Auge. Diese wurde nachträglich zu einem begehrten Austauschteil für die Modelle, die ab Werk noch mit lackierten Scheibenblenden ausgeliefert worden sind, denn die verchrtomte Scheibenblende war zunächst nur ein der SE vorbehaltenes Accessoire. Der Komfort des Beifahrers wurde durch höhenverstellbare Trittbretter erhöht. Diese lassen sich mittels eines Hebels an der rechten unteren Seite des Topcases ausrasten und springen ca. 7 cm nach oben, wo sie wieder arretieren. Über den bereits erwähnten Hebel können sie wieder entriegelt und in die ursprüngliche Position gebracht werden.

Die SE war ab Werk mit Lautsprechern im Topcase für den Beifahrer ausgerüstet. Dem Fahrer wurde ab Werk etwas mehr Komfort geboten. Eine Scheibenlüftung, beleuchtete Bedieninstrumente, ein technisch aufwendiger als bei der ASPENCADE gestaltetes Cassetten-Radio mit bspw. automatischem Cassetteneinzug, Scan-Modus für Cassetten Vor-und Rücklauf (automatischer Stop beim nächsten Song bzw. Songanfang des gerade laufenden Songs). Ferner verfügt die SE über eine vom Cockpit aus regelbare Fußspitzenheizung, wobei sich regelbar auf AUS oder EIN bezieht. Herzu werden über einen Drehregler Bowdenzüge betätigt, mit denen unter den Ventildeckeln sitzende Klappen geöffnet bzw. geschlossen werden. Die Warmluft besteht aus abgeleiteter Hitze der Auspuffkrümmer: Ein Sitzbanküberzug sorgt bei schlechtem Wetter für einen trockene Sitzbank. Für die ASPENCADE nachrüstbar, bei der SE serienmäßig: Cornering-Lights, wie wir sie schon von der GL 1200 LTD (1985)bzw. SE-I (1986) her kennen. Ferner wurde das Ansprechverhalten der Gabel sanfter abgestimmt.

Lackierungen: GL 1500/6: Wineberry Red, Light Metallic Blue / SE: Pearl White (2-farbig)

1991 nahm HONDA auch wieder die INTERSTATE ins Programm - eine auf das nötigste bechränkte GL 1500/6. So fehlt bei der INTERSTATE bspw. der Rückwärtsgang, der Tempomat und auch auf ein Cassettendeck muß der INTERSTATE-Pilot verzichten. Statt Trittbretter für den Beifahrer gab es nur herkömmliche Fußrasten. Dadurch war die INTERSTATE um ca. 20 Kilo leichter als die SE. Mit der INTERSTATE kam man a) den etwas weniger gut betuchten Kunden, b) sportlich amibitionerten Fahrern (die mit einer PAN EUROPEAN evtl. besser bedient gewesen wären) und c) weiblichen Piloten

entgegen, denn die Sitzhöhe der INTERSTATE liegt mit 29,5 inches um 0,8 inches unter der der SE bzw. ASPENCADE, die die bisherige GL 1500/6 Standard ablöste. Jedoch stellt die GL 1500/6 ASPENCADE nicht, wie bei der GL 1200 ASPENCADE, das Luxus-Modell der GL 1500/6-Flotte dar. Dieser Status blieb bis 2000 der SE vorbehalten.

1991 erscheint erstmals eine GOLD WING in gold - eine SE als ANNIVERSARY EDITION. Jedes Modell ist einzeln durchnumeriert. Die Nummer befindet sich sowohl auf der Platte auf der Zündschloßabdeckung als auch auf dem Zündschlüssel. Die verchromte Scheibenblende zierte ein schön geschwungener Schrift "Anniverary Edition" und die waren auch die Bremsscheibenabdeckungen waren nun auch verchromt und wurden bei Haltern älterer Modelle bzw. Haltern einer AASPENCADE oder INTERSTATE ebenso begehrt, wie schon ein Jahr zuvor die verchromte Scheibenabdeckung.

Preise: I: $ 8.998,- / A: $ 11.998,- / SE: $ 13.998,- Lackierungen: I: Beige / A: Black / SE: Gold

1992 nahm man sich technisch das Audio-System vor, welches seit 1984 von PANASONIC speziell für die GOLD WING gebaut wird. Die Leistung wurde pro Kanal auf 25 Watt erhöht. Das war einigen Enthusiasten immer noch nicht genug und so verwundert es nicht, daß es GOLD WINGs gibt, die aus ihrer Anlage einen Klang zaubern, der manche Heimstereoanlage in den Schatten stellt. Das überarbeitete Audiosystem ließ nun auch für die INTERSTAE den problemlosen Anschluß eines Walkman bzw. Discman zu. Die Gabel wurde bei der SE durch eine Luftdruckunterstützung verstärkt. Das Prinzip ist analog das der GL 1100 Baujahr 1980/1981. Beide Holme sind über einen Schlauch miteinander verbunden.

Preise: I: $ 9.199,- (Blue), $ 9.399,- (Red) / A: $ 12.099,- (Blue), $ 12.299,- (Red) / SE: $ 14.199,-

Lackierungen: I + A: Candy Red, Metallic Blue / SE: Metallic Teal

1993 wurde es farbenfroh. Jedes Modell - INTERSTATE, ASPENCADE und SE - wurde ein 3 verschiedenen Lackierungen angeboten. Die SE verfügte serienmäßig über Hecklautsprecher und CB-Funk. Um den Tempomaten (nur ASPENCADE und SE) noch präziser zu machen, wurden die Impulse direkt von der Kurbelwelle abgenommen. Fahrwerksmäßig verwendet man für die Schwingenlager fortan Nadellager.

Preis. I: $ 9.599,-, $ 9.799,- (Red) / A: $ 12.399,-, $ 12.599,- (Red) / SE: $ 14.699,- (Pearl White solid), $ 14.999,-

Lackierungen: I: Candy Red, Metallic Blue, Black / A: Candy Red, Metallic Blue, Black / SE: Metallic Teal two-tone, Pearl Blue two-tone, Pearl White two-tone, Pearl White Solid

1994 gab es keine nennenswerten Änderungen, außer - wie gewohnt - in den Lackierungen und dem Preise. I: $ 9.999,-, $ 10.199,- (Red) / A: $ 12.999,-, $ 13.299,- (Red) / SE: $ 15.299,- (Pearl White solid), $ 15.599,-

Lackierungen: I: Candy Red, Pearl Dark Teal, Black / A: Candy Red, Pearl Dark Teal, Black / SE: Pearl Green two-tone, Pearl Teal two tone, Candy Red two Tone, Pearl White solid

1995 - ein Jubiläumsjahr. 20 Jahre GOLD WING. Wieder eine Jubiläums-GOLD WING.

Die GL 1500/6 wurde ein wenig herausgeputzt. Eine verchromte, neugestylte Scheibenhalterung mit einem speziellen EMBLEM "20th Anniversary Edition", das gleiche Emblem am Topcasedeckel, dazu ein überaus lesenswertes und hochinteressantes Buch über die GOLD WING-Historie. Das Fahrwerk wurde um ca. 3 cm tiefergelegt. Damit wollte man etwas mehr Agilität möglich machen, ohne dabei auf den bislang gewohnten Komfort zu verzichten. Die kanadische Version dieser Geburtstags-GOLD WING wurde serienmäßig mit Cornering-Lights, CB-Funk und verchromten unteren Motorabdeckungen ausgeliefert. Ferner war im Sitzpolster "CANADIAN EDITION" eingestanzt und auch das Emblem auf der Zündschloßabdeckung weißt unmißverständlich darauf hin, daß es sich um eine CANADIAN EDITION handelt.Für alle Modelle gab es einen besonders geformten Zündschlüssel, auf welchem das besondere Ereignis vermerkt war - 20th ANNIVERSARY EDITION. Ferner gab es noch einen Pin in der gleichen Form, wie der Kopf des Zündschlüssels. Ferner war jetzt auch die ASPENCADE ab Werk mit einer verchromten Scheibenblende und verchromten Bremsscheibenabdeckungen ausgesttet. INTERSTATE- Käufer mußte sich lediglich mit einer verchromten Scheibenblende zufrieden geben.

Preise: I: $ 11.199,-, $ 11.399,- (Red) / A: $ 13.999,-, $ 14.199,- (Red) / SE: $ 16.299,- (White), $ 16.599,- (Green, Magenta), $ 16.799,- (Red)

Lackierungen: I: Candy Red, Pearl Green / A: Candy Red, Pearl Green, Magenta / SE: Candy Red two-tone, Pearl Green two-two tone, Pearl Magenta two-tone, Pearl White solid

Übrigens gab es in diesem Jahr auch einen Rückruf größeren Ausmaßes. Der Rückruf betraf die Winkelsensoren nicht nur bei der GL 1500, sondern auch bei der NR 750 und der ST 1100. Bei der GL 1500 waren die Baujahre 1988 - 1993 betroffen. Bei "extremer" Schräglage registrierte der Winkelsensor einen vermeintlichen Sturz und schaltete den Motor unvorhersehbar ab, was dann in Einzelfällen tatsächlich zum Sturz führte.

1996 und 1997 tat sich neben den Lackierungen und Preisänderungen nicht mehr viel. Das Modell INTERSTE verschwindet aus der GOLD WING-Flotte. Der Name taucht später in der Baureihe VALKYRIE wieder auf. Dort ziert er das Flagschiff der VALKYRIE Baureihe, als Luxusversion der TOURING EDITION. Koffer, Topcase du eine Lenker- Halbschalenverkleidung erinnern stark an eine gelis ́ftete HARLEY-DAVIDSON ELECTRA GLIDE CLASSIC. Der hier verlangte Preis dieser EDEL-VALKYRIE ist ebenfalls HARLEY- verdächtig - ca. DM 38.000,-. Im Vergleich zu einer GL 1500/6 SE "etwas" überzogen. Dennoch ein schönes Motorrad und durchaus eine Alternative zur GOLD WING, wenn man es denn etwas ausgefallener mag.

Erst 1998 gab es offensichtliche, aber nicht einschneidende Veränderungen. Ob aus Kostengründen (weniger Rohr = weniger Kosten) oder aus Gründen der Wartungsfreundlichkeit (leichtere Demontage der Ventildeckel) verliefen die Motorsturzbügel nur noch unterhalb der Ventildeckel entlang. Somit mußte sich der Zubehörmarkt wieder mal was neues einfallen lassen, denn die Montage der bislang üblichen Halterung für die Highwayboards war nicht mehr möglich. Besonders KÜRYAKYN hat sich hier sehr viel Mühe gegeben und gleich ein ganzes Set Ersatzfußrasten- und Trittbretter entworfen - sehr schwer, aber auch sehr edel und damit - wen verwundert's? - sehr teuer.

Als weitere Änderung sei der Auspuff erwähnt, bei dem es nun schwer fiel, die immer wieder gerne genommen Auspuffverlängerungen zu montieren, denn die Form des Auspuffendtopfes ähnelt sehr dem der VALKYRIE, hier besser bekannt als F6C (halt bloß

um 90 0 gedreht).

Desweiteren seien die neu gestalteten Armaturen genannt. Der Skalenhintergrund in sportlichem weiß, die Schrift schwarz, die Zeiger orange. Als Lackierung sei das lindgrün/grün-metallic besonders erwähnt. Eine wirklich ansprechende und zeitlose Lackierung, bei der trotz der relativ hellen Farbgebung Chrom sehr schön zur Geltung kommt und - bei überlegter Verwendung (nicht zu wenig, nicht zu viel) - das Gesamterscheinungsbild harmonisch unterstreicht.

Am Auffälligsten dürften aber die neu gestalteten Scheinwerfer, Blinker und Cornering- Lights gewesen sein. Dem Trend der Zeit folgend ersetzte man das bislang gewohnte Riffelglas durch Klarglas (Klarplastik wäre treffender) und gab somit den Blick auf blitzeblanke Reflektoren frei. Sowas lieben GOLD WINGer über alle Maßen und so verwundert es nicht, daß neue Scheinwerfereinsätze sehr schnell den Weg in GL 1500/6- Modelle vor Baujahr 1998 fanden. Nicht selten dürfte dieser Tausch von der Versicherung über die Kasko-Versicherung finanziert worden sein.

1999 passierte im Segment GL 1500/6 eigentlich nichts - außer daß man versuchte, die letzten GL 1500/6 an den Mann bzw. die Frau zu bringen, denn ein schon lange gärendes Gerücht schickte sich an, Wahrheit zu werden. Die Rede ist von der schon lange erwarteten GL 1800 (she Info 5/2000, 1/2001 / 2/2001.

Mit dem unerwartet hohen Einstiegspreis für die GL 1800 in Höhe von offiziell DM 47.540,- (man war in der Szene vor Bekanntgabe des Preises von ca. DM 43.000,- ausgegangen) schnellten die Preise nicht nur für gebrauchte GL 1500 um ein paar DM 1.000,- in die Höhe. Diese Entwicklung nutzen auch einige Händler für sich, die ihren GL 1500- Restbestand ebenfalls entsprechend teurer anboten. Wem eine GL 1800 zu teuer war, der kam am ehesten als Käufer einer GL 1500 in Frage.